So wird aufbereitetes Abwasser für den hydroponischen Gemüseanbau genutzt: Forschungsprojekt "HypoWave +" in Weißenberge
Das Verfahren bietet eine vielversprechende Lösung für die zunehmende Wasserknappheit in der Landwirtschaft.
In Anbetracht des fortschreitenden Klimawandels und der zunehmenden Wasserknappheit hat sich das 2023 auf Beschluss des Kreistages gegründete Forum Wasser das Ziel gesetzt, konkrete Umsetzungsmaßnahmen zur Förderung eines ganzheitlichen Grundwassermengenmanagements zu entwickeln. Hierzu wurden vier Arbeitskreise (Landwirtschaft, Landschaft, Siedlungsabwasser und Siedlungswasser) mit Fachleuten verschiedener Institutionen gegründet. Auf Einladung des Kreistagsabgeordneten Friedrich Lührs, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft (AG) Siedlungsabwasser des Forums Wasser, fand kürzlich eine Ortsbesichtigung des Forschungsprojekts "HypoWave +" in Weißenberge bei den IseBauern statt.
Stefan Pieper, Landwirt von den IseBauern, und Professor Thomas Dockhorn vom Institut für Siedlungswasserwirtschaft der Technischen Universität Braunschweig stellten das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderte Forschungsprojekt “HypoWave +“ den Mitgliedern der AG Siedlungsabwasser vor.
Das wegweisende Pilotprojekt der IseBauern in Wahrenholz, unter Leitung des Instituts für Siedlungswasserwirtschaft der Technischen Universität Braunschweig, demonstriert erfolgreich die Nutzung von weitergehend aufbereitetem Abwasser für den hydroponischen Gemüseanbau. Dieses innovative Verfahren, das aus den Forschungsprojekten "HypoWave" und "HypoWave+" hervorgeht, bietet eine vielversprechende Lösung für die zunehmende Wasserknappheit in der Landwirtschaft.
Die IseBauern, gegründet 2020 von den Landwirten Stefan Pieper und Marcus Meyer, sahen sich mit der Herausforderung konfrontiert, dass die Hälfte ihrer bewässerungsfähigen Ackerflächen Bewässerungseinschränkungen unterliegt. Als Antwort darauf wurde 2024 ein 1.600 Quadratmeter großes Richel-Folienhaus errichtet, in dem nun Tomaten mithilfe eines hochmodernen Bewässerungssystems zur Wasserwiederverwendung kultiviert werden.
Das Besondere an diesem System ist die Qualität des aufbereiteten Wassers. Es ist weitestgehend frei von Schadstoffen und pathogenen Keimen und gleichzeitig nährstoffreich, wodurch Frischwasser vollständig ersetzt werden kann. Das Wasser durchläuft ein mehrstufiges Aufbereitungsverfahren, welches Tuchfilterung, Aktivkohle-Biofilterung, Sandfilterung und UV-Desinfektion umfasst, um höchste Reinheit zu gewährleisten. Obwohl eine nationale rechtliche Regelung für Bewässerungswasserqualität in Deutschland noch aussteht, arbeitet das Projekt mit einer Duldungsgenehmigung des Landkreises Gifhorn und erfüllt die Überwachungsparameter der strengsten EU-Güteklasse A, obwohl bereits Güteklasse B in diesem Fall ausreichend ist. Die Anlage ist in der Lage, bis zu 20 Kubikmeter aufbereitetes Wasser pro Stunde bereitzustellen, was die langfristig geplante Erweiterung der Gemüseproduktion auf 4 Hektar unterstützt.
Dieses System wird als Win-win-Situation für die Landwirtschaft und kommunale Wasserunternehmen bewertet. Die Projektbeteiligten sind davon überzeugt, dass die gesellschaftliche Akzeptanz des Projekts durch den Fokus auf schmackhaftes, regional und wassersparend produziertes Gemüse gefördert wird. Die IseBauern betrachten diesen innovativen Ansatz nicht nur als Investition in die Zukunft, sondern auch als wichtige Anpassungsmaßnahme an den Klimawandel. Auch Christian Lampe, Geschäftsführer des Wasserverbandes Gifhorn, erhofft sich nachhaltige Impulse für die Nutzung des aufbereiteten Klärwassers in der Feldberegnung.