27 neue Ärzte und Psychotherapeuten für den Landkreis Gifhorn
Landkreis zieht Bilanz: Förderprogramm bringt 24 Ärztinnen und Ärzte und drei Psychotherapeuten in die Region – weitere Ansiedlungen in Arbeit
27 neue Medizinerinnen und Mediziner konnten seit 2022 für den Landkreis Gifhorn gewonnen werden. 24 Ärztinnen und Ärzte sowie drei Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten haben sich mit Unterstützung des Landkreises neu angesiedelt oder eine bestehende Versorgung übernommen. Der Landkreis hat dafür bislang 660.000 Euro an Fördermitteln bereitgestellt, weitere 164.000 Euro kamen aus den beteiligten Kommunen.
Für Kreisrat und Gesundheitsdezernent Rolf Amelsberg ist die Bilanz ein deutliches Signal: „Wir sehen ganz konkret, dass unsere Förderung wirkt. 27 neue Ärztinnen, Ärzte und Psychotherapeuten bedeuten für viele Menschen im Landkreis eine bessere und wohnortnahe Versorgung. Hinter jeder einzelnen Ansiedlung stehen aber auch Menschen, die sich bewusst dafür entschieden haben, im Landkreis Gifhorn zu arbeiten und hier ihre Zukunft aufzubauen. Dafür sind wir sehr dankbar.“
Vier weitere Förderanträge für ärztliche Ansiedlungen befinden sich derzeit in der Bearbeitung.
Jede Praxis zählt
Der Landkreis Gifhorn unterstützt seit Juli 2022 gezielt die Ansiedlung zusätzlicher kassenärztlicher Sitze. Gefördert werden unter anderem Neugründungen von Praxen oder Zweigpraxen, die Anstellung zusätzlicher Ärztinnen und Ärzte sowie die Übernahme von Praxen, deren Stilllegung droht. Wie hoch die Förderung ausfällt, hängt unter anderem vom Standort, dem jeweiligen Versorgungsgrad und dem Umfang der medizinischen Versorgung ab. Die Kommunen können die Förderung des Landkreises zusätzlich aufstocken.
„Gerade bei Hausärztinnen und Hausärzten können wir es uns nicht leisten, auf frei werdende Sitze erst zu reagieren, wenn die Praxis bereits geschlossen ist. Unser Ziel ist es, frühzeitig Anreize für eine Niederlassung zu schaffen und damit Versorgung langfristig zu sichern“, sagt Amelsberg.
Kreistag schafft Sicherheit für Förderungen
Auch nach 2028 soll kein bereits bewilligtes Förderprojekt an einer Frist scheitern. Der Kreistag des Landkreises Gifhorn hat in seiner Sitzung am 26. August 2026 die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Förderungen, die bis zum 31. Dezember 2028 bewilligt werden, auch danach noch umgesetzt und abgerechnet werden können.
Für Investitionsförderungen von kleinen und mittleren Unternehmen sowie Freiberuflerinnen und Freiberuflern gilt dafür ein Zeitraum von bis zu zwei Jahren nach Ablauf der Förderrichtlinie. Bei den Ansiedlungsprämien für Ärztinnen und Ärzte ist eine Umsetzung und Abrechnung innerhalb von einem Jahr möglich.
„Wer eine Praxis gründet oder übernimmt, plant nicht in Monaten, sondern in Jahren. Deshalb brauchen wir verlässliche Rahmenbedingungen. Mit dem Beschluss des Kreistages stellen wir sicher, dass bereits zugesagte Förderungen auch dann noch umgesetzt werden können, wenn ein Projekt etwas mehr Zeit benötigt“, erläutert Amelsberg.
572 Arbeitsplätze gesichert oder geschaffen
Nicht nur bei der medizinischen Versorgung, sondern auch bei der Wirtschaftsförderung kann der Landkreis eine positive Bilanz vorweisen. Seit Beginn der aktuellen Förderperiode im Januar 2023 wurden 212 Unternehmerinnen und Unternehmer, darunter auch Freiberufler wie Ärztinnen und Ärzte, zu den Fördermöglichkeiten beraten. 47 Förderanträge wurden bereits bewilligt, weitere 24 befinden sich in der Bearbeitung. Mit den geförderten Investitionen werden nach aktuellem Stand insgesamt 572 Dauerarbeitsplätze – gerechnet in Vollzeitäquivalenten – gesichert oder neu geschaffen.
Gefördert werden unter anderem Investitionen in Betriebsstätten und Praxen, Unternehmensund Praxisübernahmen, Verlagerungen, Existenzgründungen sowie die Erweiterung und Diversifizierung von Unternehmen. Die Förderung erfolgt gemeinsam mit der jeweiligen Kommune.
In der vergangenen Förderperiode von 2016 bis 2022 konnten durch geförderte Unternehmen und Existenzgründungen bereits rund 1.100 Dauerarbeitsplätze gesichert und geschaffen werden.
Der Bedarf wird weiter steigen
Trotz der positiven Entwicklung bleibt die ärztliche Versorgung eine Herausforderung. Das Durchschnittsalter der praktizierenden Ärztinnen und Ärzte ist in den einzelnen Planungsbereichen teilweise hoch. Gleichzeitig wird der Bedarf an Nachwuchsmedizinern weiter steigen. Nach einer Auswertung der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen werden bis 2040 landesweit rund 5.130 junge Hausärztinnen und Hausärzte benötigt, um den hausärztlichen Bedarf zu decken.
„27 Ansiedlungen sind ein Erfolg, aber wir wissen auch: Das reicht für die kommenden Jahre nicht aus. Wir müssen weiter um junge Ärztinnen und Ärzte werben und ihnen zeigen, dass der Landkreis Gifhorn ein attraktiver Ort zum Arbeiten und Leben ist. Genau deshalb wollen wir unsere Förderinstrumente weiterentwickeln“, so Amelsberg.
Die Vorbereitungen für die nächste Förderperiode ab 2029 sollen bereits Anfang 2027 beginnen. Unterstützt wird der Landkreis dabei durch die Gesundheitsregion Gifhorn. Sie vernetzt Akteurinnen und Akteure aus Gesundheitswesen und Daseinsvorsorge und entwickelt gemeinsam mit ihnen Strategien und Projekte zur Sicherung einer guten Gesundheitsversorgung vor Ort.