Landkreis Gifhorn beteiligt sich an weltweit größter Studie zur Radikalisierungsprävention bei Jugendlichen
Ziel der Untersuchung ist es, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, welche Faktoren junge Menschen vor Radikalisierung schützen und welche Risiken die Entwicklung extremistischer Einstellungen begünstigen können.
Der Landkreis Gifhorn hat erneut an der Befragung CTC:RP (Communities That Care: Radikalisierungsprävention) teilgenommen und setzt damit sein Engagement für Demokratieförderung und die Prävention extremistischer Entwicklungen fort. Die Erhebung erfolgte in Kooperation mit dem Landespräventionsrat Niedersachsen und der Friedrich- Schiller-Universität Jena. Im Landkreis beteiligten sich acht Schulen, in denen Schülerinnen und Schüler der 9. und 11. Jahrgänge befragt wurden.
Die Befragung ist Teil der niedersachsenweiten CTC:RP-Kommunalbefragung, an der insgesamt elf Kommunen beteiligt waren. Mehr als 9.000 Jugendliche und junge Erwachsene nahmen daran teil. Damit handelt es sich um die weltweit größte wissenschaftliche Studie zur Radikalisierungsprävention in dieser Altersgruppe. Ziel der Untersuchung ist es, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, welche Faktoren junge Menschen vor Radikalisierung schützen und welche Risiken die Entwicklung extremistischer Einstellungen begünstigen können.
CTC:RP (Communities That Care: Radikalisierungsprävention) ist ein vom Landespräventionsrat Niedersachsen und der Friedrich-Schiller-Universität Jena entwickeltes Verfahren, das Kommunen bei der datenbasierten Demokratieförderung und Radikalisierungsprävention unterstützt.
Die Umsetzung des Projekts im Landkreis Gifhorn ist im Fachbereich Jugend angesiedelt. Verantwortlich sind dort die Arbeitsbereiche De-Radikalisierung und Kreisjugendpflege im Sachgebiet Prävention. Durch die Teilnahme erhält der Landkreis wichtige Informationen über die Lebenswelt junger Menschen vor Ort und kann bestehende Angebote weiterentwickeln sowie neue Maßnahmen gezielt und bedarfsgerecht ausarbeiten.
Dem Projekt liegt ein entwicklungsorientiertes Verständnis von Radikalisierung zugrunde. Radikalisierung wird dabei nicht als plötzliches Ereignis verstanden, sondern als ein schrittweiser Prozess, der durch das Zusammenspiel verschiedener individueller, sozialer und gesellschaftlicher Faktoren beeinflusst wird. Dazu gehören beispielsweise Erfahrungen von Ausgrenzung, mangelnde soziale Bindungen, problematische Vorbilder oder die Suche nach Zugehörigkeit und Orientierung. Gleichzeitig werden auch Schutzfaktoren betrachtet, etwa stabile soziale Beziehungen, demokratische Werte oder positive Beteiligungsmöglichkeiten.
Die wissenschaftliche Grundlage von CTC:RP basiert auf umfangreichen Forschungsarbeiten zu Entstehungsbedingungen extremistischer Einstellungen und Verhaltensweisen. Ziel ist es, Prävention bereits dann anzusetzen, bevor sich extremistische Haltungen verfestigen.
CTC:RP arbeitet in mehreren Schritten. Zunächst erfolgt eine anonyme Befragung von Schüler*innen. Anschließend werden die erhobenen Daten wissenschaftlich ausgewertet, um die für die jeweilige Kommune relevanten Risiko- und Schutzfaktoren zu identifizieren. Auf dieser Grundlage können passgenaue und wissenschaftlich fundierte Präventionsmaßnahmen entwickelt und umgesetzt werden.
Bereits im Jahr 2024 hatte der Landkreis Gifhorn erstmals an der Befragung teilgenommen. Damals beteiligten sich fünf Schulen. Ein direkter Vergleich der Ergebnisse von 2024 und 2026 ist jedoch nur eingeschränkt möglich. Während 2024 keine aktive Zustimmung der Erziehungsberechtigten erforderlich war, musste für die aktuelle Befragung eine ausdrückliche Einverständniserklärung vorliegen. Dadurch unterscheiden sich die Ausgangsbedingungen der Stichproben.
Die Ergebnisse der ersten CTC:RP-Befragung aus dem Jahr 2024 wurden bereits genutzt, um bedarfsgerechte Präventions- und Demokratiefördermaßnahmen im Landkreis Gifhorn umzusetzen. Dazu gehörten unter anderem Workshops gegen menschenfeindliche Äußerungen, Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte, internationale Jugendbegegnungen, Demokratieprojekte an Schulen sowie Angebote zur Stärkung sozialer Kompetenzen und Selbstbehauptung.
„Einer Radikalisierung von Kindern und Jugendlichen bereits während der Schulzeit zu begegnen, verhindert, dass sie in einem Zeitraum hoher Beeinflussbarkeit den verführerischen Versprechungen extremer Kräfte und Gruppierungen erliegen. Hier gezielt auf Prävention zu setzen, kann uns später so manches böse Erwachen ersparen“, betont Kreisrat und Jugenddezernent Rolf Amelsberg.
Der Mehrwert für die Bürgerinnen und Bürger besteht darin, dass Fördermittel gezielt dort eingesetzt werden können, wo der tatsächliche Bedarf besteht. Kinder und Jugendliche erhalten passgenaue Unterstützungsangebote, Schulen und Fachkräfte werden gestärkt und demokratische Teilhabe gefördert. Die erneute Teilnahme an CTC:RP schafft damit eine wissenschaftlich fundierte Grundlage, um Radikalisierung frühzeitig entgegenzuwirken und das positive Zusammenleben im Landkreis Gifhorn nachhaltig zu stärken.
Für die Umsetzung geeigneter Maßnahmen stellt der Landespräventionsrat Niedersachsen entsprechende Fördermittel zur Verfügung. Fragen und Anregungen zu Präventionsprojekten beantworten die De-Radikalisierungsstelle und die Kreisjugendförderung des Landkreises Gifhorn per E-Mail an anastasia.anastasiadou@landkreis-gifhorn.de und bernhard.schuhose@landkreis-gifhorn.de.