Wie gelingt der Umgang mit sogenannten Systemsprengern?

Der Landkreis Gifhorn setzt im Rahmen seiner konzeptionellen Ausrichtung zur Integration auf individuelle Hilfsangebote.

Bild vergrößern: "Systemsprenger" Bild: © Landkreis Gifhorn
Darüber, wie „Systemsprengern“ geholfen werden kann, informierten Michael Betker von der Polizeiinspektion Gifhorn (von links), Dominik Meyer zu Schlochtern, Erster Kreisrat des Landkreises Gifhorn, Dr. Melanie Kieler, Direktorin des Amtsgerichts Gifhorn, Christoph Nowotschyn, Sachbearbeiter im Fachbereich Jugend des Landkreises Gifhorn, und Rolf Amelsberg, Kreisrat für Jugend, Soziales und Gesundheit des Landkreises Gifhorn, während einer Pressekonferenz im Schloss Gifhorn.

Die Integration von sogenannten Systemsprengern stellt den Landkreis Gifhorn vor vielfältige Herausforderungen. Hier bedarf es mit Blick auf die Gestaltung und Umsetzung von Jugendhilfe einem Verständnis für die Zielgruppe, ihre Situation, bestehende Bedingungen sowie Unterstützungsbedarf.

Bei „Systemsprengern“ handelt es sich um Kinder und Jugendliche, die aufgrund ihrer Verhaltensauffälligkeiten die regulären Strukturen der Gesellschaft, aber auch der Jugendhilfe vor Herausforderungen stellen. Letztere wird vor die große Herausforderung gestellt, individuelle und passgenaue Lösungen finden zu müssen. Dabei besteht stets die Gefahr des Scheiterns, denn oft sind bestehende Strukturen und Ressourcen nicht auf die herausfordernden Entwicklungen der jungen Menschen hinreichend ausgerichtet. So sind nicht selten Gewalt und ausgeprägte Verhaltensauffälligkeiten bei jungen Menschen Merkmale, die eine nachhaltige Pädagogik erschweren. Neben dem Aspekt von Sicherheit für alle Beteiligten basiert die pädagogische Arbeit im Wesentlichen auf Beziehungs- und Bindungsarbeit. Eine tragfähige und somit erfolgreiche Arbeit mit „Systemsprengern“ kann nur durch den Aufbau von stabiler Verlässlichkeit und Vertrauen gedeihen.

Der Landkreis Gifhorn setzt im Rahmen seiner konzeptionellen Ausrichtung zur Integration auf individuelle Hilfsangebote. Ziel ist es, passgenaue Angebote anzubieten, die sich stets an den jeweiligen Problemlagen der Betroffenen orientieren und gleichzeitig deren Bedürfnissen und Fähigkeiten gerecht werden, ohne eine mögliche Stigmatisierung und ihre Folgen hervorzurufen. Dies geschieht unter Berücksichtigung eines ganzheitlichen Ansatzes durch interdisziplinäre Kooperation in der Region – wie zum Beispiel Fachärzte, Kliniken, Schulen und Bildungsträger.

Im Zentrum aller pädagogischen Interventionskonzepte für „Systemsprenger“ steht die Intensivpädagogik. Häufig wird sie durch therapeutische Angebote flankiert, so dass Hilfsangebote flexibel an die Entwicklungen der Jugendlichen angepasst werden können. Können regionale Angebote der stationären Jugendhilfe keinen adäquaten Lösungsansatz bieten, werden überregionale Angebote hinzugezogen. Als ein etablierter Bestandteil der stationären Jugendhilfe sind dabei Auslandmaßnahmen anzusehen. Diese richten sich konzeptionell ebenso individuell auf die Gesamtsituation des Jugendlichen aus, können dabei aber auf Ressourcen in den jeweiligen Ländern zurückgreifen und diese für sich nutzen. Unter dem Eindruck systemischer und kultureller Einflüsse sowie gesellschaftlicher Bedingungen gelingt es so der Jugendhilfe regelmäßig, „Systemsprenger“ pädagogisch zu fördern und ihnen eine tragfähige Perspektive zu bieten.

04.09.2025