Waldbrandschutz im Landkreis Gifhorn: Prävention hat höchste Priorität

Landrat Philipp Raulfs macht sich ein Bild von den umfangreichen Waldbrandschutzmaßnahmen im Landkreis Gifhorn.

Bild vergrößern: Knut Sierk (von links), Florian Roffka, Roland Vasel, Jens Dieckmann, Philipp Raulfs, Ingo Delion und Tobias Nadjib zum Auftakt der Tour zu verschiedenen Stationen im Kreisgebiet. Bild: © Landkreis Gifhorn
Knut Sierk (von links), Florian Roffka, Roland Vasel, Jens Dieckmann, Philipp Raulfs, Ingo Delion und Tobias Nadjib zum Auftakt der Tour zu verschiedenen Stationen im Kreisgebiet.

Seit Wochen kämpfen Einsatzkräfte in Frankreich und Spanien gegen verheerende Waldbrände. Tausende Hektar Wald sind bereits zerstört worden, zahlreiche Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Die Bilder machen deutlich, welche Folgen langanhaltende Trockenheit, hohe Temperaturen und starker Wind haben können – und wie wichtig eine konsequente Vorbereitung auf solche Ereignisse ist.

Vor diesem Hintergrund hat sich Landrat Philipp Raulfs gemeinsam mit dem Kreiswaldbrandbeauftragten Ingo Delion und Kreisbrandmeister Jens Dieckmann ein Bild von den umfangreichen Waldbrandschutzmaßnahmen im Landkreis Gifhorn gemacht. Auf dem Programm standen unter anderem Besuche von Löschwasserzisternen und Waldbrandriegeln im Bereich der Revierförsterei Malloh, die Vorstellung der Brandschutzkonzepte für den ehemaligen Truppenübungsplatz Ehra und Besuche der Bohrstellen der Vermilion Energy Germany GmbH & Co und der ICE-Strecke Hannover-Wolfsburg im Bereich Leiferde. Dort kam es in den vergangenen Jahren mehrfach zu größeren Böschungs- und Flächenbränden – unter anderem im Mai 2020 und im Mai 2025.

„Die Bilder aus Frankreich und Spanien zeigen eindrucksvoll, dass Waldbrände längst keine Ausnahmeerscheinung mehr sind. Auch wenn wir im Landkreis Gifhorn gut vorbereitet sind, dürfen wir uns darauf nicht ausruhen. Prävention, moderne Infrastruktur und eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten sind der Schlüssel, um Menschen, Natur und Infrastruktur bestmöglich zu schützen“, betont Landrat Philipp Raulfs.

Ein bundesweit stark aufgestelltes Waldbrandschutzsystem

Im Landkreis Gifhorn ist das System der Waldbrandbeauftragten aufgrund der geografischen Lage besonders stark und detailliert ausgebaut. Große Nadelwaldflächen, trockene Sandböden und die Nähe zur Lüneburger Heide sorgen seit Jahrzehnten für eine erhöhte Waldbrandgefährdung.

Der Landkreis ist in sieben feste Waldbrandgefahrenbezirke unterteilt. Jeder Bezirk wird von einem örtlichen Waldbrandbeauftragten und einer Stellvertretung betreut. Übergeordnet koordiniert Kreiswaldbrandbeauftragter Ingo Delion, der zugleich die Revierförsterei Malloh leitet, gemeinsam mit zwei Stellvertretern das gesamte System. Die Waldbrandbeauftragten sind erfahrene Försterinnen und Förster der Niedersächsischen Landesforsten, des Bundesforstes sowie der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Organisiert werden sie über die Untere Naturschutz- und Waldbehörde des Landkreises Gifhorn.

Zu ihren Aufgaben gehören die fachliche Beratung des Landkreises in Forst- und Brandfragen, die Koordinierung zwischen Forst und Feuerwehr, die Unterstützung der Technischen Einsatzleitung im Einsatzfall mit Orts- und Fachkenntnissen sowie die Ausbildung weiterer örtlicher Waldbrandbeauftragter.

„Ein Waldbrand ist weit mehr als ein Feuer im Wald. Entscheidend sind die richtige Taktik, genaue Ortskenntnis und die Kenntnis über Löschwasserentnahmestellen, Zufahrten und Vegetationsstrukturen. Genau dafür stehen wir als Waldbrandbeauftragte. Wir bilden die Brücke zwischen Forstwirtschaft und Feuerwehr und sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Gefahrenabwehr im Landkreis Gifhorn“, erläutert Ingo Delion.

Moderne Technik unterstützt die Einsatzkräfte

Zur Früherkennung betreiben die Niedersächsischen Landesforsten im Landkreis Gifhorn das Automatisierte Waldbrand-Früherkennungs-System (AWFS) über zwei Kamerastandorte in Sassenburg und Wittingen-Radenbeck. Die optischen Sensoren erkennen Rauchentwicklungen von Entstehungsbränden bereits aus einer Entfernung von bis zu 20 Kilometern, ermöglichen durch Kreuzpeilung eine präzise Lokalisierung und melden Rauchentwicklungen unmittelbar digital an die Waldbrandzentrale in Lüneburg. Von dort aus werden die zuständigen Feuerwehrleitstellen frühzeitig alarmiert und Waldbrände bereits in der Entstehungsphase wirksam bekämpft.

Bei größeren oder unübersichtlichen Einsatzlagen wird zusätzlich der Kreiswaldbrandbeauftragte hinzugezogen. Er unterstützt die Einsatzleitung unter anderem mit Schlüsseln für Waldschranken, weist Löschwasserstellen nach und berät die Feuerwehr hinsichtlich der taktisch sinnvollsten Maßnahmen. Regelmäßig finden darüber hinaus gemeinsame Übungen mit der Bundespolizei-Fliegerstaffel statt, um insbesondere den Einsatz von Löschhubschraubern optimal mit den örtlichen Einsatzkräften abzustimmen.

Löschwasser – der entscheidende Faktor im Wald

Da sich Hydranten in Waldgebieten häufig weit entfernt befinden, setzt der Landkreis auf ein engmaschiges Netz spezieller Löschwasserentnahmestellen. Dazu gehören Tiefbrunnen, Löschwasserteiche und unterirdische Zisternen, die teilweise als Konsequenz aus der Waldbrandkatastrophe von 1975 angelegt wurden. Ergänzend können bei Großschadenslagen auch der Elbe-Seitenkanal oder der Allerkanal als Wasserquelle genutzt werden. Speziell vorbereitete Saugstellen ermöglichen dort die Wasserentnahme durch schwere Feuerwehrfahrzeuge.

Waldumbau senkt das Risiko – Klimawandel erhöht den Handlungsdruck

Eine besondere Herausforderung stellt der Klimawandel dar. Sinkende Grundwasserstände und technische Alterungserscheinungen älterer Brunnen machen regelmäßige Kontrollen und Testförderungen erforderlich. Durch den gezielten Umbau der Wälder hin zu artenreichen Mischwäldern konnte die Waldbrandgefährdung langfristig bereits leicht reduziert werden. Gleichzeitig führen steigende Temperaturen und längere Trockenperioden dazu, dass die Prävention weiterhin höchste Priorität besitzt.

Kreisfeuerwehr appelliert an die Bevölkerung

Nach Angaben der Kreisfeuerwehr Gifhorn entstehen rund 95 Prozent aller Vegetationsbrände durch menschliches Verhalten. Schon eine weggeworfene Zigarettenkippe, heiße Fahrzeugteile auf trockenem Gras oder nicht vollständig gelöschte Grillkohle können ausreichen, um einen Großbrand auszulösen. „Unsere Einsatzkräfte sind hervorragend ausgebildet und für Waldbrände gut vorbereitet. Dennoch ist der beste Einsatz immer der, der gar nicht erst notwendig wird. Jeder Einzelne kann mit verantwortungsbewusstem Verhalten dazu beitragen, Brände zu verhindern. Gerade in Trockenperioden kommt es auf Aufmerksamkeit und Rücksicht an“, appelliert Kreisbrandmeister Jens Dieckmann.

Das können Bürgerinnen und Bürger tun

Der Landkreis Gifhorn und die Kreisfeuerwehr Gifhorn bitten alle Bürgerinnen und Bürger insbesondere während trockener Wetterlagen um besondere Vorsicht:

  • Vor jedem Aufenthalt im Wald die aktuelle Waldbrandgefahrenstufe des Deutschen Wetterdienstes auf www.dwd.de oder in der Warn-App NINA prüfen. Ab Gefahrenstufe 4 sollten Waldgebiete nur auf befestigten Wegen betreten werden und es sollte auf jegliche Feueraktivitäten verzichtet werden. Bei Stufe 5 können Forstbehörden und Waldbesitzerinnern und -besitzer den Zugang zu Waldgebieten vollständig sperren.
  • Vom 1. März bis zum 31. Oktober gilt in Wald, Moor und Heide sowie in gefährlicher Nähe ein grundsätzliches Rauch- und Feuerverbot. Grillen ist ausschließlich auf ausgewiesenen Plätzen erlaubt.
  • Fahrzeuge niemals auf trockenem Gras oder Unterholz abstellen.
  • Feuerstellen niemals unbeaufsichtigt lassen und Glut nach dem Grillen vollständig mit Wasser löschen.
  • Flaschen und Glasscherben wieder mitnehmen. Sie wirken wie Brenngläser und können trockenes Gras entzünden.
  • Waldwege und Schranken als Rettungswege unbedingt freihalten. 
  • Bei Rauch oder Feuer sofort den Notruf 112 wählen und den Brand nicht eigenständig bekämpfen.

Der Landkreis weist außerdem darauf hin, dass einzelne Grillplätze abhängig von der aktuellen Waldbrandgefahrenstufe durch die jeweiligen Städte, Gemeinden oder Samtgemeinden gesperrt werden können. Informationen hierzu werden vor Ort und über die Internetseiten der Kommunen bekanntgegeben.

Mit der engen Zusammenarbeit von Forstverwaltung, Kreisfeuerwehr, Kommunen und zahlreichen ehrenamtlichen Kräften verfügt der Landkreis Gifhorn über ein leistungsfähiges Netzwerk zum Schutz seiner Wälder. Angesichts zunehmender Trockenheit und häufiger Extremwetterlagen bleibt jedoch klar: Der wirksamste Waldbrandschutz beginnt bei einer konsequenten Prävention und dem verantwortungsvollen Verhalten jedes Einzelnen.

10.08.2026