"Moor-Revival" sucht Unterstützerinnen und Unterstützer. "Netzwerk Großes Moor Gifhorn" gegründet
Gemeinsames Engagement für Klima-, Arten- und Moorschutz
Naturraum, Lebensraum, Klimaheld: Das Große Moor im Landkreis Gifhorn hat großes Potenzial. Die wertvollen Flächen leiden aber unter den Folgen jahrzehntelanger Entwässerung und intensiver Nutzung. Mehrere Organisationen und Institutionen aus der Region wollen das ändern: Mit dem am 1. Juli 2026 gegründeten „Netzwerk Großes Moor Gifhorn“ sollen Schutz, Wiederherstellung und die nachhaltige Entwicklung des Großen Moores gemeinsam gesichert werden. Die Unterzeichner einer entsprechenden Deklaration hoffen dabei auch auf Zuwachs – schließlich sollen die Menschen der Region durch positive Auswirkungen etwa auf den Hochwasser- und Brandschutz ganz unmittelbar vom Gifhorner „Moor-Revival“ profitieren.
Philipp Raulfs, Landrat des Landkreises Gifhorn, betonte am Rande der Deklarationsunterzeichnung die Bedeutung des Projekts: „Das Große Moor ist ein in der Region beispielloser Naturschatz – ein Schatz mit aktuell allerdings noch großen Problemen. Es stimmt zuversichtlich, wenn heute so viele engagierte Akteurinnen und Akteure aus dem Landkreis Gifhorn und darüber hinaus mit Begeisterung und Tatendrang an einem Strang ziehen. Moore zu schützen und zu erhalten ist eine Investition in die Zukunft unserer Region. Die Wichtigkeit von Mooren ist mir bewusst; Moorschutz startet bereits in den Fließgewässern. Daher bin ich auch gerne bereit, eine Moorpatenschaft zu übernehmen, um für dieses wichtige Thema zu sensibilisieren.“
Zu den Partnern des neuen Netzwerks gehören der Landkreis Gifhorn, der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), der Wasser- und Bodenverband Sassenburg, der Förderverein Großes Moor e. V., der NABU Kreisverband Gifhorn e. V., der Natur- und Kultur-Erlebnispfad Großes Moor Gifhorn e. V. sowie die Arbeitsgemeinschaft Fahrradwege in der Gemeinde Sassenburg. Das Projekt wird durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit sowie durch den Regionalverband Großraum Braunschweig gefördert.
Moore als Schlüssel für Klima- und Artenschutz
Der Schutz der biologischen Vielfalt und des Klimas zählt zu den zentralen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Moore leisten hierzu einen unverzichtbaren Beitrag. Sie bieten hoch spezialisierten und teilweise stark gefährdeten Tier- und Pflanzenarten einen einzigartigen Lebensraum. Gleichzeitig speichern intakte Moore große Mengen Kohlenstoff dauerhaft im Torf und entziehen damit der Atmosphäre klimaschädliches Kohlendioxid.
Hoher unmittelbarer Nutzen für die Bevölkerung
Darüber hinaus können Moore erhebliche Mengen Wasser aufnehmen und speichern, wodurch Moore einen wichtigen Beitrag zum lokalen Wasserhaushalt und zur Klimaanpassung leisten: In Extremsituationen wie Hochwasserlagen und Trockenperioden können sie so unmittelbar zum Schutz der Bevölkerung beitragen, indem sie in regenreichen Phasen andere sensible Landschaftsräume entlasten oder das Risiko von Flächenbränden wirksam reduzieren. Nicht zuletzt sind Moore wertvolle Naturerlebnis- und Naherholungsräume für die Bevölkerung. Sie haben damit verbunden ein großes, bisher aber nur teilweise genutztes Potenzial als Standorte der praktischen Umweltbildung.
Gemeinsame Verantwortung für das Große Moor
Das jetzt gegründete Netzwerk versteht sich als Dialogforum, das die Auswirkungen des Klimawandels auf das Wassermanagement im Großen Moor diskutiert und gemeinsam Lösungen entwickelt. Dabei sollen Naturschutz, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Naherholung, Wissenschaft sowie die Flächeneigentümer an einen Tisch gebracht werden. Neben der Konzeption konkreter Projekte ist die Information ein weiteres zentrales Anliegen des auf Wachstum ausgelegten Netzwerks, an dem sich künftig Akteure mit den unterschiedlichsten Hintergründen beteiligen können und sollen. Übergeordnetes Ziel ist die Erhaltung und Wiederherstellung eines naturnahen Wasserhaushalts sowie der moortypischen Lebensräume und Arten. Gleichzeitig soll das Bewusstsein für die Bedeutung des Moorschutzes in der Region gestärkt werden.
Innerhalb des Verbundprojekts „Blau-Grüne-Infrastruktur“ mit insgesamt 10 Teilprojekten, nimmt das Teilprojekt „Netzwerk Großes Moor“ eine wichtige Rolle ein, wie Anna Weyde, Erste Verbandsrätin des Regionalverbands Großraum Braunschweig, betonte: „Eine zukunftsfähige, regionsweite Blau-Grüne Infrastruktur lebt von Zusammenarbeit. Sie ist mehr als Flächen und Projekte: gemeinsames Lernen durch Austausch, Kooperation über kommunale Grenzen hinweg und Hinwirken auf ein gemeinsames Ziel. Dieses Netzwerk ist beispielhaft dafür.“
„Niedersachsen ist flächenmäßig Moorland Nr. 1. Hieraus ergibt sich eine besondere Verantwortung beim Moor- und Klimaschutz, die wir aktiv annehmen – zum Beispiel im Rahmen des in den vergangenen Jahren im Landkreis Gifhorn mit unseren Partnern bereits durchgeführten Vernässungsprojekts“, betonte Walter Wimmer, Leiter der NLWKNBetriebsstelle Süd in Braunschweig. Der Landesbetrieb ist mit über 1.000 Hektar Fläche größter Flächeneigentümer im Naturschutzgebiet Großes Moor und will sich umfangreich im neuen Netzwerk einbringen.
Große Herausforderungen erfordern gemeinsames Handeln
Durch jahrzehntelange Entwässerung und Nutzung sind viele Moore in Niedersachsen stark beeinträchtigt. Dadurch verlieren sie ihre Fähigkeit, Kohlenstoff zu speichern, und werden selbst zu bedeutenden Quellen von Treibhausgasemissionen. Nach aktuellen Schätzungen stammen rund zwölf Prozent der Treibhausgasemissionen Niedersachsens aus entwässerten Mooren.
Auch das Große Moor im Landkreis Gifhorn ist von den Folgen früherer Torfgewinnung sowie land- und forstwirtschaftlicher Nutzung geprägt. Obwohl der Torfabbau in den kommenden Jahren ausläuft, sind weitere Maßnahmen erforderlich, um die Funktion des Moores als Kohlenstoffspeicher wiederherzustellen und die Anforderungen des europäischen Natura- 2000-Schutzgebiets umzusetzen.
Zwölf Ziele für die Zukunft des Großen Moores
Mit der unterzeichneten Deklaration verpflichten sich die Netzwerkpartner, gemeinsam an zwölf zentralen Handlungsfeldern zu arbeiten:
- Nachhaltiges Wassermanagement entwickeln
- Moorflächen wiedervernässen
- Entwässerung reduzieren
- Moortypische Arten und Lebensräume schützen
- Lebensräume besser vernetzen
- Naturerlebnis und Naherholung stärken
- Wissen über Moore vermitteln
- Erfolge wissenschaftlich begleiten und kontrollieren
- Wissenslücken durch Forschung schließen
- Nachhaltige und moorschonende Nutzung fördern
- Moorbrände verhindern und Vorsorge verbessern
- Die Kulturgeschichte des Moores bewahren
Mit der Gründung des „Netzwerks Großes Moor Gifhorn“ setzen die beteiligten Akteure ein deutliches Zeichen für einen zukunftsorientierten Klima- und Naturschutz in der Region. Gemeinsam wollen sie die einzigartigen ökologischen, klimatischen und kulturellen Werte des Großen Moores bewahren und weiterentwickeln.
Das Projekt ist Teil des Verbundvorhabens „Regionale Blau-Grüne Infrastruktur in Stadtregionen“. An insgesamt zehn Projektstandorten im Großraum Braunschweig wird erprobt, wie Blau-Grüne Infrastruktur zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels nach dem Prinzip der Schwammlandschaften beitragen und für eine integrierte Freiraumentwicklung genutzt werden kann.
Weitere Stimmen zur Gründung des "Netzwerks Großes Moor Gifhorn" am 01.07.2026
Detlev Junge, Förderverein Großes Moor: „Wir kennen, lieben und schützen das Große Moor. Mit dem Moormuseum, der Beschilderung der historischen Wege, der Dokumentation der Wiedervernässung und unseren Exkursionen, erläutern wir die Geschichte und die Natur. Die Zusammenarbeit mit anderen im Moor tätigen Gruppen im Netzwerk hilft gemeinsam qualifizierte Lösungen zum Erhalt des Moores zu finden. Wir bringen gern die 230 Jahre praktischer Erfahrung der Moordörfer zu Natur, Wassermanagement und Brandschutz ein. Wir wollen gemeinsam, für Natur und Menschen, die Zukunft unseres Moores gestalten.“
Knut Schmidt, Natur- und Kultur-Erlebnispfad Großes Moor Gifhorn e. V.: „Wir bringen mit der Moorbahn Besucher und Besucherinnen auf alten Gleisen in das Große Moor und machen somit die Natur direkt erlebbar. Unsere Gäste bekommen einen Einblick in die Entstehung und die ökologische Bedeutung von Mooren, der Nutzungs- und Kulturgeschichte und den aktuellen Herausforderungen bei der Renaturierung. Das Netzwerk bringt alle engagierte Institutionen und Vereine an einen Tisch und kann so durch verbesserten Erfahrungsaustausch und die gegenseitige Unterstützung zwischen den Beteiligten dieses einzigartigen Natur- und Kulturerlebnisses zielgerichteter für nachfolgende Generationen erhalten.“
Florian Preusse, NABU Kreisverband Gifhorn e. V.: „Der NABU engagiert sich seit vielen Jahren im Großen Moor. Neben der Heidepflege und der Wiedervernässung liegt uns besonders die Umweltbildung am Herzen. Mit unseren Arbeitseinsätzen begeistern wir jedes Jahr viele Menschen für den Erhalt des Großen Moores. Mit dem Netzwerk bündeln wir die Aktivitäten aller Akteure und bringen den Moorschutz gemeinsam weiter voran. Gerade mit Blick auf die Herausforderungen durch den Klimawandel ist das eine wichtige Aufgabe, sowohl für den Naturschutz als auch den Schutz des Wasserhaushalts in der Region."
Jörg Thaden, Arbeitsgemeinschaft Fahrradwege in der Gemeinde Sassenburg: „Das Große Moor ist ein einzigartiger Natur- und Lebensraum, der weit über die Grenzen einzelner Gemeinden hinaus Bedeutung hat. Deshalb begrüßen wir die Gründung des Netzwerks ausdrücklich. Es schafft die Möglichkeit, Akteure aus Naturschutz, Kommunen, Tourismus und Bürgern an einen Tisch zu bringen und gemeinsame Lösungen für die Zukunft des Großen Moores zu entwickeln. Als AG Fahrradwege setzen wir uns für eine attraktive und nachhaltige Mobilität in der Sassenburg ein. Viele ausgeschilderte Fahrradwege führen durch oder entlang des Großen Moores und verbinden Menschen mit dieser besonderen Landschaft. Deshalb möchten wir unsere Erfahrungen und Perspektiven aktiv in das Netzwerk einbringen und die Entwicklung der Region mitgestalten. Unser Ziel ist es, Naturerlebnis, Klimaschutz und nachhaltige Mobilität sinnvoll miteinander zu verbinden. Wir möchten dazu beitragen, dass das Große Moor für Einheimische und Gäste besser erlebbar wird, ohne seine ökologischen Qualitäten zu beeinträchtigen. Gemeinsam mit den anderen Partnern wollen wir Projekte anstoßen, die sowohl der Natur als auch den Menschen in der Region zugutekommen.“